Ur-Heidi: Eine Heim-Suchung

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Wie reicht das Schweigen über den Nationalsozialismus in Täter*innen-Familien bis in unsere Gegenwart hinein? Heidi muss zum Großvater. In Johanna Spyris Bergroman gibt Tante Dete ihre verwaiste Nichte wortlos beim Alten ab, der als gefährlich gilt. In der Begegnung mit der Enkelin verliert er nach und nach die Aggressionen aus einer im Nebel liegenden Vergangenheit. Diese Erlösungsgeschichte ist eine der bekanntesten Heimaterzählungen des deutschsprachigen Raums aus dem 19. Jahrhundert.

KGI machen einen Zeitsprung und konfrontieren sie mit dokumentarischen Selbstauseinandersetzungen. Sie thematisieren die Mittäter*innenschaft der eigenen Familien im Nationalsozialismus und rekonstruieren die eigene Großeltern-Eltern-Kind-Beziehung: Können wir den*die Täter*in in uns erkennen? Als Heim-Suchung bringt der Theaterabend Ausschnitte aus dem Roman Heidi, Fragmente aus Gesprächen mit den eigenen Eltern, persönliche und politische Reflexionen und popkulturelle Reminiszenzen an die Nachkriegsgeneration zusammen. Eine theatrale Suche (nach) der Gefühlserbschaft der dritten Generation.

Von und mit: Albert Bork, Stefanie Dörr, Jan Ehlen, Laura Hansen, Johanna-Yasirra Kluhs, Simon Kubisch, Eva Lochner, Dominik Meder, Marcel Nascimento, Maria Vogt, Mike Vojnar, Christiane Holtschulte

PRESSESTIMMEN:

„Die Berge, vernebelt, leicht vergruselt, Musik erhebt sich, als käme gleich Zarathustra persönlich von der Alm gestiegen, und mittendrin: Etwas schattenhaftes vor einem „I want to believe“-Poster. Hell wird es, Heidi erhebt sich aus der Projektion rauschender Bäche und glitzernder Gletscher. Schnitt, und: Eine Modelleisenbahn fährt durch eine idyllische Alpenlandschaft. Die ist, selbstverständlich, nicht so idyllisch, wie sie scheint: Denn In „Ur-Heidi – eine Heimsuchung“ begibt sich die Theatergruppe KGI: Büro für nicht übertragbare Angelegenheiten im Ringlokschuppen in Mülheim an der Ruhr mit der Heidi-Geschichte im Gepäck auf Wanderschaft durch die tiefen Täler nationalsozialistischer Vergangenheit. […] Figuren stehen für Generationen, und die Inszenierung löst sie auch sehr schnell in Generationen auf: Da die Großeltern, da die Folge-Folge-Generationen auf der Suche nach Antworten. Nur sind die natürlich nicht so einfach. Immerhin geht es hier um Nacherzählungen, um psychologische Phänomene, notorisch schwer zu greifende Konzepte. Aber gerade hier zeigt sich die Stärke der Inszenierung. Die ist nicht unbedingt das Graben nach der Vergangenheit, das Auffinden von Geschichten. Sondern die Visualisierung.“ (Jan Fischer für Nachtkritik)

Eine Produktion von KGI in Koproduktion mit Ringlokschuppen Ruhr, der Theaterallianz vier.ruhr und TAK Theater Aufbau Kreuzberg.

Gefördert vom Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, von der Kunststiftung NRW und vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, sowie im Rahmen der Förderung Neue Wege für das Theater an der Ruhr, Mülheimer Theatertage NRW und Ringlokschuppen Ruhr durch das Mnisterium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW in Zusammenarbeit mit dem NRW KULTURsekretariat

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